Am 1. September 1972 wurde Robert James Fischer - genannt Bobby - der 11. Schachweltmeister. Er besiegte in Reykjavik den amtierenden Weltmeister Boris Spasski aus der Sowjetunion. Der Kampf um diese Weltmeisterschaft galt als das "Match des Jahrhunderts". Es war ein Kampf der Systeme, die im kalten Krieg lagen.

Es war vor allem aber ein psychologischer Kampf, in dem Bobby Fischer alle Register zog, noch bevor eine Figur gezogen war. Der tschechische Schachgroßmeister Vlastimil Hort erinnert sich: "Das war schon interessant. Es stimmt, dass Wahnsinn und Genie sehr eng nebeneinander liegen - also manchmal schläft das Genie und dann redet der Wahnsinn. Das war auch beim Fischer so."

Zuerst kam Fischer gar nicht. Erst Tage nach dem angesetzten Turnierbeginn erschien er in Reykjavik. Als er da war, spielte er nicht. Er stellte Forderungen: das Publikum saß ihm zu nah, die Kameras surrten ihm zu laut, das Licht war ihm zu hell, das Schachbrett zu groß und das Preisgeld zu gering - 125.000 Dollar. Erst als der Betrag verdoppelt wurde, setzte er sich ans Brett - und verlor die erste Partie. Zur zweiten erschien er nicht mehr, kampflos wurde sie für Spasski gepunktet. Doch der konnte seinen Vorteil nicht nutzen. Die dritte Partie - Fischer war also wieder anwesend - gewann der US-Amerikaner. Und er gewann weiter.

Nach dem 40. Zug der 21. Partie gab Boris Spasski auf. Fischer nahm Geld und Medaille und verschwand. Für Jahre. Erst 2002 meldete sich Bobby Fischer bei einem isländischen Radiosender - per Telefon. Wo er die ganzen Jahre gewesen sei, fragte ihn der Moderator? In Ungarn sei er oft gewesen, antwortete Fischer, auch in Deutschland und in den letzten Jahren häufig in Japan, aber auch auf den Philippinen oder in Hongkong. Was wäre, wenn Sie 10 Millionen Dollar erhielten für ein Match gegen irgendeinen Schachchampion, wurde Fischer im Interview gefragt. Ich bin fertig mit dem alten Schach, sagte Fischer, es ist durch und durch verdorben.

Ob er Schach überhaupt noch verfolge? Ja, es gäbe interessante Partien, aber die seien alle im Vorhinein abgesprochen, ein einziger Schwindel, auch die Titelkämpfe. Er hätte das beweisen können, aber die Juden hätten ihm seine Beweise gestohlen, behauptete Fischer.

An seinem Match gegen Spasski bemängelten Schachexperten hinterher die Qualität des Wettkampfes. Nur in einigen Partien zeigten sich die Akteure auf der Höhe ihres Könnens.

Nach einer Odyssee durch verschiedene Länder und zwischenzeitlicher Inhaftierung, wegen eines Schaukampfes gegen Spasski 1992 in Jugoslawien, ist Bobby Fischer seit 2005 isländischer Staatsbürger. Boris Spasski lebt in Frankreich.

Quelle MDR Info